Chiropraktik

Chiropraktik ist eine manuelle Behandlungsmethode in deren Mittelpunkt die Gelenke des Körpers stehen.

Das Wort Chiropraktik leitet sich aus dem Griechischen ab und bedeutet so viel wie: „mit der Hand tun“. Auch wenn die Kunst mit Hilfe der Hände Bewegungsstörungen zu beseitigen sicherlich schon fast so alt ist wie die Menschheit, wurde die moderne Methodik der Chiropraktik 1895 durch Daniel David Palmer in Davenport, USA begründet. Palmer erkannte die zentrale Bedeutung des Nervensystems für die gesunde Funktion des Körpers. Er entwickelte Methoden, mit denen die Funktion des Nervensystems korrigiert und die Gesundheit des Körpers wiederhergestellt werden kann.

 

Seit dem Ende des 19. Jahrhunderts wurde die Methodik der Chiropraktik laufend nach neuesten Erkenntnissen aus Praxis und Forschung weiterentwickelt. Mittlerweile können viele Aussagen die D.D. Palmer vor etwa 120 Jahren traf wissenschaftlich belegt und erklärt werden.

Die amerikanische Chiropraktik erfährt seit einigen Jahren auch außerhalb der USA, wo sie eine hundertjährige Tradition besitzt und der Erwerb des „Doctor of Chiropractic“ über einen Universitätsstudiengang möglich ist, zunehmende Bekanntheit und Akzeptanz bei der Therapie von Bewegungsstörungen.

 

Das Lösen von Blockaden bewirkt nicht nur eine Verbesserung der Beweglichkeit- es können auch Funktionen der Inneren Organe durch die Therapie beeinflusst und verbessert werden.

Durchführung der Behandlung

Die/der chiropraktisch arbeitende Tierärztin/Tierarzt grenzt durch sinnvolle Untersuchungsmethoden die betroffenen Wirbelsäulenabschnitte ein und mobilisiert die blockierten Gelenke.

Ein Grundprinzip der Therapie gründet auf dem präzisen Ansatz der Korrektur an dem betroffenen Gelenk, ohne dass hierfür die Arbeit mit langen Hebeln oder ähnlich Gewebe-strapazierenden Methoden erforderlich ist.

​Die Technik basiert auf der Nutzung von Muskelrezeptoren welche einen Reflex auslösen die die Wiederherstellung der Beweglichkeit ermöglichen.

Das erklärt auch, warum es möglich ist auch so große Tiere wie Pferde mit Erfolg zu manipulieren.

Ein „Einrenken“ der Wirbel durch Ziehen an Schweif oder Beinen ist unspezifisch und nicht auf betroffene Gelenke abgestimmt. Diese Methodik ist völlig unnötig und u.U. sogar gefährlich, da es zu einer Überdehnung der Bänder und Gelenke kommen kann und betroffene Gelenke nicht präzise angesprochen werden können. Ein gezieltes Vorgehen ist daher sehr wichtig und es sollte zugunsten sicherer Methoden auf unspezifische Techniken verzichtet werden.

 

Wiederholungsbehandlungen

Die Notwendigkeit der Nachbehandlungen sollte für jeden Patienten individuell entschieden werden.

Oft sind schon zwei Behandlungen ausreichend um eine deutliche und kontinuierliche Verbesserung zu erzielen. Bei ganz akuten Fällen kann auch schon eine Behandlung ausreichend sein. Bestehen die Blockaden schon längere Zeit, so sollte damit gerechnet werden, dass mehr Behandlungen nötig sein könnten um das Problem beständig zu verbessern.

Bei Patienten mit chronischen Problemen des Bewegungsapparates wie z.B. Spat, Hufrolle, Arthrosen kann es sinnvoll sein in regelmäßigen, für jeden Patienten individuell zu bestimmenden Abständen, eine Behandlung durchzuführen, da sich durch eingenommene Schonhaltungen schneller als bei gesunden Patienten wieder Blockaden der Gelenke entwickeln.

Als Faustregel sollte gelten, dass eine einmalige prophylaktische Behandlung pro Jahr durchgeführt werden sollte- auch bei ansonsten gesunden Patienten- um Leistungseinbußen und die aus einer chronischen Blockadesituation resultierenden Folgeschäden zu vermindern.

Blockaden erkennen
Pferd

Woran erkennt man Rückenprobleme?

Rückenprobleme bzw. Rückenschmerzen durch Blockaden können sich durch viele Symptome äußern:

  • reduzierte Leistungsfähigkeit

  • Schnappen und Anlegen der Ohren beim Satteln

  • Widersetzlichkeit unter dem Reiter

  • Hochreißen des Kopfes und Wegdrücken des Rückens beim Reiten

  • Schwierigkeiten bei der Versammlung u./o. bei Seitengängen

  • Ungehorsam beim Springen

  • Berührungsempfindlichkeit

  • Taktfehler

  • Steifheit in Biegung und Stellung

  • Muskelatrophie

  • Tellern oder Schnüren

  • Verkürzte Tritte mit einem oder mehreren Beinen

  • Schwierigkeiten sich vorwärts abwärts zu strecken

  • Schwierigkeiten das Pferd durchs Genick zu stellen

  • Lahmheiten

  • Rücken schwingt nicht

 

Ist durch Blockaden die Beeinträchtigung von Nervenbahnen und damit der Informationsweiterleitung gegeben, so kann es, wenn die Innervation der Haut, bestimmter Blutgefäße oder Drüsen gestört ist, auch zu:

  • ungewöhnlichem Juckreiz an der Schweifrübe oder anderen Körperstellen kommen

  • vermehrter Hitze- und Kälteempfindlichkeit

  • unsymmetrischem Schwitzen

  • Fruchtbarkeitsstörungen

  • Störungen bei Harn oder Kotabsatz

 

kommen.

 

Diese Symptomenliste ist sicher nicht vollständig, zeigt aber welch vielfältige Auswirkungen Blockaden haben können. Die häufigsten Ursachen für Blockaden:

  • Trauma (Sturz, Ausrutschen, Festliegen)

  • Narkose

  • Lange Transporte mit ungefederten Hängern, rücksichtslose Fahrweise

  • Geburtsprobleme

  • Leistung

  • nicht passender Sattel

  • schlechter Beschlag

  • Sitzprobleme des Reiters (schiefer Sitz)

  • Alter (Spätfolgen der Traumata denen die Wirbelsäule im Laufe des Lebens ausgesetzt war)

  • Bewegungsmangel ( zu wenig freie Bewegung nimmt den Pferden die Möglichkeit Verspannungen durch Wälzen und Buckeln zu lösen) 

Hund/Katze

Was können Hinweise auf Blockaden der Wirbelsäule sein?

Es versteht sich von selbst, dass einige der genannten Symptome vor einer chiropraktischen Behandlung einer Abklärung durch den Haustierarzt bedürfen:

  • akute Rückenschmerzen

  • Schmerzäußerungen bei bestimmten Bewegungen

  • Verhaltensänderung (ungewohnte Aggressivität oder zieht sich zurück)

  • Bewegungsunlust, Unwilligkeit Treppen zu steigen

  • Unspezifische Lahmheiten, Passgang, schleppender Gang mit abgeschliffenen Krallen

  • Überempfindlichkeit bei Berührungen

  • Leckekzem an den Pfoten

  • Wiederkehrende Ohr- oder Analdrüsenentzündungen

  • Harnträufeln ohne andere medizinische Ursachen

  • Wiederkehrende Verdauungsprobleme

  • Veränderte Sitzposition (Puppy-sitting)

  • Tier legt sich nur auf eine Seite

  • Eingeschränkte Leistungsfähigkeit

Hilft Chiropraktik auch bei chronischen Problemen wie Arthrosen, Spondylosen, Hüftdysplasien, Bandscheibenvorfällen o.ä.?

Bei solchen Erkrankungen treten häufig sogenannte Kompensationsprobleme, so z.B. Blockaden vor- oder nachgeschalteter Wirbel oder Wirbelsäulenabschnitte auf welche gelöst werden können, die Lebensqualität der Tiere kann deutlich verbessert werden. Diese Tiere sprechen oft auf eine kontinuierliche Therapie in 2 bis 6 monatigen Abständen an. Die Grunderkrankung sollte jedoch vor einer chiropraktischen Behandlung vom Haustierarzt abgeklärt werden.

 

Einsatzmöglichkeiten der Chiropraktik:

  • chronische Probleme des Haltungs- und Bewegungsapparates

  • akute Probleme z.B. Verspannung und Steifheit

  • prophylaktische Behandlung zur Erhaltung der Gesundheit, auch bei geriatrischen Patienten

  • Erhaltung der Leistungsfähigkeit, nicht nur bei Sporthunden

  • Begleitende Behandlung bei chronischen Lahmheiten, z.B. Arthrosen, Hüftdysplasie, Spondylosen

  • Rehabilitation nach Unfällen, Operationen

 

 

Chiropraktik behandelt die Ursachen von Rückenproblemen, stellt Gelenkbeweglichkeit und gestörte Wirbelsäulenstatik wieder her. Bei sachgemäßer Durchführung kann die chiropraktische Behandlung zur Gesunderhaltung Ihres Tieres beitragen und eine Steigerung seiner Lebensqualität bewirken.

 

© 2017 Dr. med. vet. Barbara Weber